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Ohne Vorkenntnisse schwierig

 Manchmal kann man als Leser auch ohne Vorkenntnisse in eine bereits bestehende Romanserie einsteigen. In "Faust" von Gustav Skördeman funktioniert das nrr sehr bedingt. Zwar gibt es einige Erläuterungen und Hinweise zu den Ereignissen im Vorgängerband "Geiger" und man kann sich so einiges zusammenreimen. Doch beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, zu große Lücken zu haben, um die Proagonisten wirklich gut zu verstehen, allen voran die Hauptfigur, die Polizistin Sara Nowak. Was Geheimdienst-Schläfer der Stasi  in Schweden zu tun hatten, warum die Stasi ausgerechnet Schweden als Zuflucht für einen neuen Start für RAF-Terroristen ausgewählt haben soll - da fiel mir schon die zeitliche Zuordnung schwer, wann die Handlung eigentlich spielt. Es ist eben alles schon eine Weile her, und ich schreibe das als eine, die sich nicht nur an den Mauerfall erinnern kann, sondern auch Kindheitserinnerungen an den deutschen Herbst und die RAF-Plakate an allen Postämtern (die ...

Brandheißer Schwedensommer

 Wenn das mal nicht brandaktuell ist nach einem heißen Sommer, in dem in Europa einmal wieder vielerorts die Wälder brannten. Die Klimakrise spielt in Pernilla Ericsons Kriminalroman "Im Feuer" im Hintergrund immer wieder eine Rolle. Da es ein Krimi ist, ist allerdings auch so mancher Brand und damit zusammenhängende Todesfall auf menschliches Zündeln zurückzuführen. Dennoch werden Erderwärmung, Klimaveränderunge und das Dauerschwitzen selbst im schwedischen Sommer immer wieder thematisiert. Die Polizistin Lilly Hed hatte in Stockholm schon große Fälle bearbeitet. Im beschaulichen Nynäshamn ist die Verwunderung bei den Kollegen an der Schärenküste groß, dass sich die Ermittlerin ausgerechnet in die vergleichsweise unspektakuläre ländliche Idylle versetzen ließ, wo Schwerkriminalität normalerweise ein Fremdwort ist. Zumal Lilly sich über ihre Gründe und ihr Privatleben ausschweigt. Auch die Leser wissen zunächst nur, dass es einen Vorfall gegeben haben muss, der die Polizistin...

Die dunkle Seite der Macht und eine idealistische Ministerin

 Die isländische Autorin Lilja Sigurdadottir ist mir schon mit ihrer Reykjavik-Triologie um die Drogenschmugglerin Sonja ausgesprochen positiv aufgefallen. Ihre starken, aber auch ambivalenten Frauenfiguren, die Art und Weise wie Queerness nicht als etwas Exotisches, sondern normal und alltäglich dargestellt wird, die Dunkelheit hinter einer scheinbar heilen Oberfläche - hier kam alles sehr fein zu "Scandinavic Noir" zusammen. Da war für mich gleich klar, dass ich auch unbedingt Sigurdadottirs neuen Roman, "Betrug" lesen wollte. Das Setting und die Protagonisten sind völlig anders, doch die Darstellung von komplexen Charakteren und einem Plot, der sich erst nach und nach erschließt und dabei auf das allzu Offensichtliche verzichtet, sorgt auch hier für ein gelungenes Leseerlebnis. Im Mittelpunkt steht Ursula, die jahrelang als ausgebildete Notsanitäterin bei internationalen Hilfseinsätzen gearbeitet hat, bei einer Ebola-Epidemie in Liberia ebenso wie zuletzt in eine...

Verdachtsmomente und doppelte Böden halten Spannung in "Blutland" wach

 Auf Suspense verstehen sich Kim Faber und Janni Pedersen, das Autorenteam hinter der Kopenhagener Krimi-Triologie um die Ermittler Martin Juncker und Signe Kristansen. Das stellt das Duo auch in Blutland, dem dritten Band nach "Winterland" und "Todland" unter Beweis. Doppelbödig und mit einem Plot, der die Leser immer wieder zwingt,schon sicher geglaubtes zu verwerfen, bleibt auch nach mehr als 550 Seiten Länge am Ende das Gefühl, den Ermittlern gerne noch länger zu folgen. Auch wenn sich einiges vom ersten Band an wie ein roter Faden durch das Buch zieht - etwa das problematische Verhälnis Signes zu Leiter der Abteilung für Sexualverbrechen oder das nicht weniger konfliktbeladene Auf und Ab in der unaufhaltsam Richtung Scheidung steuernden Ehe Junckers - lässt sich Blutlad auch ohne Kenntnis der ersten Bände lesen. Was nötig ist, wird erklärt. Wer von Anfang an dabei war, hat aber wohl mehr Lesegenuss. Ähnlich wie in den ersten Bänden der Triologie gibt es eine ge...

Freundinnen für Leben? - Todesfall

 "Todesfall" - der Titel des norwegischen Kriminalromans von Randi Fuglehaug ist wörtlich zu nehmen. Denn es geht nicht nur um einen Todesfall (wenig überraschend in einem Krimi) - eine Frau kommr buchstäblich durch Fall zu Tode, nämlich bei einem Fallschirmsürung. Vier verschworene Freundinnen, die nicht nur das gemeinsame Hobby verbindet, wollten sich mit ihrem Sprung in Trachtenkostüm an dem Extresportfestival in ihrem westnorwegischen Heimatort Voss beteiligen. Doch nur drei von ihnen kommen heil am Boden an. Die Journalistin Agnes Tveit, erst vot kurzem aus der Hauptstadt nach Voss zur dortigen Zeitung zurückgekehrt, gehört zu den Augenzeugnnen und berichtet über den Vorfall. Was zunächst noch wie ein tragischer Unfall aussah, entpuppt sich als Mord: Sämtliche Schnüre an dem Fallschirm wie auch am Reserveschirm waren durchtrennt worden. Die Springerin hatte nie eine Chance gehabt. Wer hatte ein Interesse an dem Tod der jungen Mutter? Agnes Tveit klemmt sich hartnäckig hi...

Zerrissene Familien

 Man muss schon ein bißchen dabei bleiben bei der Lektüre von "Team Helsinki" von A. M. Ollikainen, einem schreiben Ehepaar. Denn in dem finnischen Krimi um den Fund einer Leiche in einem Container wechseln die Zeit- und Erzählperspektiven - dabei führen die Autoren ihre Leser durchaus auch auf manche falsche Fährte. In der Schlussphase des Buches gibt es dafür auch klärende Aha-Momente. Zerrissene, disfunktionale Familien, in denen Geheimnisse ausgeschwiegen werden, Alkohol- und Drogenmissbrauch - es ist durchaus skandinavisch-düster in diesem Auftakt einer Reihe um die Kriminalbeamtin Paula, die gerne mal zu Alleingängen neigt und manche Schnellentscheidung später bedauert - was sie allerding auch menschlich macht. In "Die Tote im Container" ermitteln Paula und ihre Kollegen im Umkreis einer Unternehmer- und Mäzenatenfamilie, nachdem in einem deren Firma gehörenden Container die Leiche einer toten Frau aus Namibia gefrunden wurde. Der Container, in den Wasser eing...

Der lange Schatten des Kriegs gegen den Terror

 David Lagercrantz ist ein Autorenname, der für exzellente schwedische Kriminalliteratur steht - schließlich hat er nach dem Tod von Stieg Larssen die "Millenium"-Reihe um die geniale Hackerin Lisbeth Salander vollendet. Mit "Der Mann aus dem Schatten" hat Lagercrantz nun den Auftakt einer neuen, ganz eigenen Reihe aufgelegt, der Spannung und politische brisantes Geschehen miteinander verbindet. Einen ziemlich genialen, wenn auch komplizierten Protagonisten hat auch diese geplante Triologie. Hans Rekke, Philosoph, Reederssohn aus reichem Haus, ehemals musikalische Wunderkind und, so weiß die Stockholmer Polizei, gilt als Verhörspezialist. Daher macht sich eine kleine Ermittlergruppe auf in Rekkes Villa im Nobelviertel, unter ihnen auch Micaela Vargas, die eigentlich Streifenpolizistin ist. Dass sie in die Kripo-Ermittlungen nach dem Tod eines Schiedsrichters eingebunden wird, hat vor allem einen Grund: Sie wuchs als Tochter chilenischer Einwanderer im gleichen Vorst...