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Maulwurf aus Beirut? Der schwarze Sommer

 Der Tod eines weit über 80-jährigen Politikers würde normalerweise die üblichen Routine-Nachrufe nach sich ziehen. In Gard Sveens "Der schwarze Sommer" dagegen  erhält der Polizist Tommy Bergmann den Auftrag, diskret zu ermitteln. Denn Leif Wilberg, ehemaliger Botschafter im Libanon, wird durch eine Autobombe getötet. Seine wesentlich jüngere Frau Hanna, die er einst in Beirut während des Bürgerkriegs kennengelernt hatte, ist verschwunden. Einzige Spuren, Tage später: Ein Koffer und Blut, das Hanna zugeordnet werden kann, in einem einsamen Ferienhaus in Dänemark. Für Bergmanns Vorgesetzte ist die drängende Frage nicht allein, wer für den Tod Wilbergs verantwortlich ist und   was mit Hanna geschehen ist, die immerhin als Außenministerin einmal eine prominente Politikerin war - bis sie wegen allzu großer Nähe zur Hamas spektakulär zurücktreten musste. Für die Nachrichtendienste ist viel interessanter: wer ist der russische Spion, der vermutlich damals in Beirut rekrut...

Fester Grund - Abschluss der Doggerland-Triologie

  Nicht immer zählt die Logik, manchmal muss man den eigenen Instinkten vertrauen - das erfährt Karen Eiken Hornby, die Protagonistin von Maria Adolfssons "Fester Grund" im dritten Teil der Doggerland-Triologie gleich mehrmals, privat und beruflich. War sie am Anfang des ersten Romans verkatert neben ihrem eigentlich ziemlich unsympathischen Chef aufgewacht, hat sich ihr privates Leben vergleichsweise stabilisiert. Und auch mit der Trinkerei hält sie sich mittlerweile ziemlich zurück - und sei es nur, weil die Blutwerte für die routinemäßige Fitnessprüfung der Doggerländer Polizei stimmen sollen. Dennoch steht die Polizistin ziemlich unter Druck. Sie soll sich diskret um eine angeblich verschwundene Popdiva Luna kümmern. Der Fall passt Karen gleich aus zwei Gründen überhaupt nicht. Zum findet sie, dass ihr Mitbewohner und Gelegenheitslover Leo der charismatischen blonden Schönheit bei gemeinsamen Studioaufnahmen viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, zumal er Luna in sein...

Verhängnisvolle Leidenschaften - Der Käfig

 Nachdem mich im vergangenen Jahr Lilja Sigurdadottirs Triologie-Auftakt "Das Netz" vollkommen überzeugt hat, war ich sehr gespannt auf den Nachfolgeband "Der Käfig", der vor kurzem erschienen ist. Nach dem Lesen bin ich allerdings mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben. Der zweite Nordic noir-Band ist spannend, kein Zweifel. So manches in der Gemengelage der Figuren, die ich aus dem ersten Band kannte, hat sich allerdings verschoben. War die Isländerin Sonja in "Das Netz" eine sowohl in ihrer Ehe als auch in der Rolle als unfreiwillige Drogenkurierin gefangene Frau, so hat sich ihre Lebenssituation und auch ihre Persönlichkeit einige Jahre später deutlich verändert. Mehr zu verraten, würde jetzt den Plot verraten, aber eine Sympathieträgerin ist sie jetzt nicht mehr unbedingt und spielt in dem Roman auch lange Zeit eine eher untergeordnete Rolle. In den Vordergrund rückt dagegen Agla, Sonjas frühere Geliebte, die im ersten Band eine ziemlich ambivalente ...

Hass gegen Frauen - "Der Rattenkönig"

 Pascal Engman hat als Journalist gearbeitet - das  wird in seinem Kriminalroman "Der Rattenkönig" nicht nur an der realistischen Schilderung von Redaktionsabläufen deutlich, er weiß auch, wie man einen komplexen Sachverhalt  mit einem Spannungsbogen aufbereitet, der die Leser fesselt. Nachdem er sich in seiner vorherigen Romanen etwa mit Rassismus und rechtsextremen Milizen befasst hat, geht es in seinem neuen Roman um Hass auf Frauen und die sogenannten Incels - Männer, die unfreiwillig zölibatär sind, weil sie bei Frauen nicht punkten können. Aus Frustration und Minderwertigkeitsgefühlen, Scham und Unzulänglichkeitsgefühlen entwickelt sich bei ihnen Hass mit Gewalt- und Allmachtfantasien. Wie schon im Vorgängerroman "Feuerland"  führt Engman die schwedische Kommissarin Vanessa Franck und den ehemaligen Elitesoldaten Nicholas Paredes zusammen - beide Einzelgänger, bei Menschen, denen es schwer fällt, sich anderen zu öffnen und die in Chile bei einem gemeinsamen Ei...

Schären-Mord mit Längen - Tod eines Eisfischers

 Ich war gespannt auf Anna Ihrens "Tod eines Eisfischers", in dem es um einen grausamen Mord an Bord eines Forschungsschiffes geht. Der Expeditionsleiter wird ermordet in seiner Kajüte aufgefunden und der ehemalige SEK-Beamte Dennis Wilhelmson, nunmehr Leiter der Polizei in dem kleinen Schärenort Smögen, nimmt die Ermittlungen auf.  Dabei hilft nicht gerade, dass das  Schiff zur Fortsetzung der Expedition wieder auslaufen muss, um weiter nach Bergen und Spitzbergen aufzubrechen.. Zudem droht sich bei mehr als einem Beamten Berufliches und Privates in diesem Fall zu verbinden - eine Polizistin ist in Sorge um die auf dem Forschungsschiff arbeitende Tochter, gleich zwei Beamte sind höchst hingerissen von der Schwester des Mordopfersund Sandra Haraldson, Wilhelmsons engste Mitarbeiterin, muss mit ihrem wieder aufgetauchtem Ex klarkommen.  Das ist allerdings nicht das einzige, was hier verwickelt ist. Wie schon im ersten Band der Reihe gibt es eine zweite Erzählebene mit...

Dunkle Geheimnisse am norwegischen Abgrund

 Missbrauch, Schuldgefühle, dunkle Familiengeheimnisse - Mit "Ihr Königreich" hat Jo Nesbo einen psychologischen Thriller mit überraschenden Wendungen über ein Brüderpaar in einem entlegenen norwegischen Bergdorf geschrieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Roy ist Automechaniker, betreibt die Dorftankstelle. Er ist derjenige, der geblieben ist,  seit seiner Jugend berüchtigt als Schläger, ein Mann ohne Freunde, ein Einzelgänger.  Ganz anders Carl, der ein Jahr jüngere, der nach vielen Jahren zurückkommt mit einer kanadisch-karibischen Ehefrau und dem wegen einer geplanten Umgehungsstraße vor dem Aus stehenden Dorf neues Leben verspricht: Ein Berghotel soll her, für das Carl die Unterstützung der ganzen Gemeinde braucht. Carl war stets der Womanizer, der golden boy mit den vielen Freunden, im Gegensatz zum Bruder in der Schule erfolgreich, verkörpert gewissermaßen das Aufstiegsversprechen - dabei war die Jugend der beiden alles andere als einfach, starben ihre E...

Innere und äußere Kälte - "Teufelszeug"

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Teufelszeug"von Katja Ivar ermöglicht gewissermaßen antizyklisches Lesen: Mitten in einer Hitzewelle im heißen Sommer 2020 geht es in ein finnisches Dorf an der Grenze zur damaligen Sowjetunion, kurz vor Einbruch des Winters, in dem das Dorf  mehr als ein halbes Jahr lang von der Außenwelt abgeschnitten sein wird. Obendrein spielt die Handlung im Jahr 1952, mitten im Kalten Krieg. Mit Kälte ganz anderer Art muss sich Helle Mauser auseinandersetzen, die als erste weibliche Ermittlerin bei der Mordkommission Helsinki gearbeitet hat. Doch nun ist Helle buchstäblich abgeschoben, in eine Kleinstadt ganz oben im Norden. Weder ihr Chef noch dessen Stellvertreter kommen damit klar, dass sie plötzlich eine Kollegin haben. Um so mehr, als Helle tatsächlich Fälle aufklären will, während die beiden Männer eine ruhige Kugel schieben wollen. Den Brief einer Pfarrersfrau aus dem entlegenen Dorf, die sich Sorgen um einen seit Tagen verschwundenen Nac...